München, 26. Januar 2016

Bayerische Wirkstoffvereinbarung – Motor oder Hindernis? 

Ist die Wirkstoffvereinbarung für Arzneimittel in Bayern positiv oder negativ zu bewerten? Antworten darauf gab es auf einer Veranstaltung zu dieser Thematik, organisiert von Health Care Bayern e.V. in München. 

Kommt Fortschritt für Patienten in Bayern anders an als bundesweit? Zur Diskussion dieser Frage lud das Netzwerk Health Care Bayern unter der Moderation von Prof. Günter Neubauer nach München ein. Im Fokus stand dabei die von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern ausgehandelte Wirkstoffvereinbarung für Arzneimittel. - von Claudia Küng/hcm

 Bild: Health Care Bayern e.V., Claudia Küng

Bild: Health Care Bayern e.V., Claudia Küng

Die bayerische Wirkstoffvereinbarung bringt Licht ins Dunkel – auch wenn eine Frankfurter Kanzlei die ausgehandelte Wirkstoffvereinbarung für Arzneimittel in Bayern noch vor kurzem heftig angegriffen hatte. Doch die Diskutanten auf einer Veranstaltung von Health Care Bayern e.V. zu diesem Thema begrüßten die Neuregelung. Dr. Wolfgang Krombholz, Vorsitzender des Vorstandes der Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB), verteidigte die bayerische Wirkstoffvereinbarung und sieht sie als positive Weiterentwicklung. Die vorhergehenden Richtgrößen für Ärzte hätten sich einfach überholt. Sie seien „ein dunkler Raum“ für Ärzte gewesen. Durch die neue Wirkstoffvereinbarung ließen sich Verordnungen im Vorhinein steuern, statt wie bisher durch Prüfung im Nachhinein.

 

Lob an Bayerischer Wirkstoffvereinbarung

Auch der baden-württembergische Gesundheitspolitiker Michael Hennrich lobte das Bundesland: Bayern sei sehr gut mit innovativen Unternehmen im Gesundheitswesen ausgestattet. Ob die regionalen Wirkstoffvereinbarungen Verbesserungen bringen, müsse der Gesetzgeber beobachten. „Innovationen dürften nicht im System hängen bleiben“, erklärt Hennrich, der auch Berichterstatter der CDU/CSU Fraktion zum Thema Arzneimittel ist. Mittelfristig sieht er eHealth als Weg, die Wirtschaftlichkeitsprüfung bei Arzneimitteln komplett abzulösen. Die Industrie forderte er auf, „Mehrwertverträge stärker zu nutzen“. Peter Steiert, stellvertretender Amtschef im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege stärkte der Bayerischen Wirkstoffvereinbarung ebenfalls den Rücken: Eine pauschale Kritik daran sei nicht gerechtfertigt, eine Feinsteuerung eventuell sinnvoll.

 

Wirkstoffvereinbarung unterstützt Versorgung

Ist Bayern unterversorgt? Diese Frage beantwortet Sophie Schwab, Leiterin Vertragsgebiet Bayern, der DAK-Gesundheit in ihrem Vortrag mit einem klarem „Nein“. Schwab stellte sich ebenfalls hinter die Bayerische Wirkstoffvereinbarung und betonte die dadurch erzielte Verbesserung der Versorgung. Unterjährig könnten Verordnungsziele angepasst und auch rückwirkend korrigiert werden.

 

Innovative Medizin nicht nach dem Zufallsprinzip verteilen

Kritischer äußerte sich der Kardiologe Prof. Dr. Stefan Kääb von der Universität München. Kääb forderte eine bessere Vergütung von Aufklärungsgesprächen. Arzneimittel, wie das Beispiel der neuen oralen Antikoagulanzien (NOAKs) zeige, seien echte Innovationen und es gälte ein verstärktes Augenmerk auf die Versorgung von Menschen zu legen. Auch die Kassen sieht er dort als mögliche Hilfe: Sie könnten, wenn es datenschutzrechtlich erlaubt wäre, ihre Daten durchgehen und einen "Alert“ bekommen, wo z.B. Schlaganfallpatienten nicht gut versorgt wären. Ähnlich sprach sich auch PD Dr. Christian Seligmann, Regionalvorsitzender Bayern des Bundes der niedergelassenen Kardiologen (BNK) e.V., aus. Seligmann wies darauf hin, dass die Einnahme der bisher eingesetzten Medikamente (OAKs) für Patienten umständlicher wäre, da bei ihnen eine ständige Blutkontrolle nötig ist. Die Verordnung von innovativen Medikamenten sollte nicht dem Zufallsprinzip unterliegen. In sechs Jahren prognostizierte er, wenn die Patente auslaufen, würden die NOAKs Leitsubstanz und die älteren OAKs nur noch eine Nebenmedikamentation sein.

Bei der Verordnung innovativer Medikamente befände sich Bayern, im deutschlandweiten Vergleich im Mittelfeld, erklärte Krombholz. Ob das trotz oder gerade wegen der neuen bayerischen Wirkstoffvereinbarung so ist, ließ er bewusst offen. Innovationen kämen also beim Patienten an.

Vermeiden: Übertherapie und Unterversorgung

Kääb plädierte zum Ende der Veranstaltung nochmals für eine genaue Analyse, für welche Patienten teure innovative Medikamente geeignet sind. Übertherapie sei genauso zu vermeiden, wie Unterversorgung.

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Pressemitteilung

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