München, 08. Februar 2019

Fachveranstaltung zur flächendeckenden dermatologischen Versorgung in Bayern

Hauterkrankungen, in der Vergangenheit verantwortlich für Stigmatisierung und eine verminderte Lebensqualität der Patienten, sind heute bereits vielfach gut und sogar bis zur Symptomfreiheit therapierbar. Die Fachdisziplin hat jedoch mit regionalen Versorgungsdisparitäten, einer zunehmenden Spezialisierung der Ärzteschaft und steigenden Patientenzahlen in einer alternden Bevölkerung zu kämpfen.

Im Rahmen einer Fachveranstaltung, die in Kooperation mit Health Care Bayern e.V. stattfand, diskutierten am vorletzten Freitag Vertreter aus Medizin, Politik, Forschung und Verbänden Schwierigkeiten einer flächendeckenden dermatologischen Versorgung in Bayern und Möglichkeiten, diese zu verbessern.

Prof. Dr. Matthias Augustin, Direktor des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, erläuterte die gestiegene Arbeitsbelastung der Dermatologen. Die Diagnosestellung sei in diesem Fachbereich stark facharztorientiert. „Der Facharzt oder die Fachärztin ist in Diagnostik und Wahl der Behandlungsmethode dem fachfremden Kollegen überlegen“, so Augustin. Eine Vielzahl neuer Behandlungsmöglichkeiten ermöglicht heute eine Symptomfreiheit der Patienten, bedingt aber gleichzeitig eine starke Spezialisierung der MedizinerInnen. Augustin macht deutlich: „Nur noch 35% der Dermatologen verordnen 100% aller Psoriasis-Medikamente“. Auch die Preise stiegen mit innovativen Therapieformen. Regionale Disparitäten erschweren eine gleichwertige flächendeckende Versorgung. In strukturschwachen Regionen fehlen niedergelassene DermatologInnen und die Ausgaben pro Behandlungsfall sind abhängig vom Bundesland, in dem sich ein Patient behandeln lässt. Augustin macht dies an Ausgaben für Psoriasis Patienten deutlich: In Bayern werden rund 4 Euro pro PatientIn ausgegeben, in Mecklenburg-Vorpommern jedoch bis zu 11 Euro. Das sei bedeutsam, weil sich mit steigender Gabe teurer systemtherapeutischer Medikamente, auch die Lebensqualität der Patienten verbessere. Prof. Dr. Tilo Biedermann, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Technischen Universität München und Generalssekretär der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, bemängelt, dass jedoch nur rund 14 % der niedergelassenen Dermatologen in Bayern diese Medikamente nutzen, obwohl sie der geltenden Leitlinie entsprächen. Dr. Steffen Gass, Vizepräsident des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen, begründet dies mit Unwissen oder Skepsis vieler praktizierender DermatologInnen gegenüber der Möglichkeit einer Wirkstoffprüfung in Bayern. Zu verwurzelt sei die alte und tiefsitzende Sorge vor hohen Regressforderungen. Die Vergütung des Arztes stehe hierzu in keinem vernünftigen Verhältnis. Auch die Telemedizin, zur Unterstützung der Versorgung in der Fläche, scheitere an der mangelhaften Vergütung der MedizinerInnen.

Die durch Prof. Dr. Andreas Beivers von der Hochschule Fresenius moderierten Podiumsdiskussion war hochkarätig besetzt. Neben den Referenten diskutierten Dr. Ralf Langejürgen, Leiter der vdek-Landesvertretung Bayern, Bernhard Seidenath, Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Pflege im Bayerischen Landtag sowie Vorstandsmitglied von Health Care Bayern e.V., Dr. Larissa Weichenberger, Kassenärztliche Vereinigung, und Carola Sraier, Bundesarbeitsgemeinschaft der PatientInnenstellen. Es wurde deutlich, dass die Telemedizin zwar das Potenzial hat, die flächendeckende Versorgung zu verbessern, hohe Anschaffungskosten oder eine schwache Internetversorgung sie aber ausbremse. Der Vorschlag, Fachärzte durch einen vorgeschalteten Hausarzt für die Erstdiagnose zu entlasten, wurde mit Hinweis auf eine höhere krankheitsbezogene Letalität in einem vergleichbaren System in den Niederlanden als nicht zielführend bewertet. Trotz finanzieller Anreize seitens der Politik bleibe der Ausgleich regionaler Versorgungsdisparitäten auf Grund unattraktiver strukturschwacher Regionen schwierig. Fazit: Neue Behandlungsalternativen ermöglichen PatientInnen heute eine Freiheit von Krankheitssymptomen und eine erhebliche Steigerung der Lebensqualität. Für eine gleichwertige, flächendeckende Versorgung bedarf es aber weiterer Schritte.

Bild: Health Care Bayern e.V.

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